Eberhard Klunker                 Acoustic guitar        
            
             

Musikalische  Biografie


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Eberhard Klunker,  in Herzberg/Elster geboren, ist zunächst Autodidakt und wird 1971, mit  neunzehn Jahren, Nachfolger des Gitarristen Hansi Biebl bei der Modern Soul Band. Daneben erwirbt er einen in der damaligen DDR begehrten Berufsausweis als Profi-Musiker in der Musikschule Friedrichshain. Durch die Modern Soul Band lernt er Klaus Lenz kennen und unternimmt mit dessen Bigband zahlreiche Tourneen durch die DDR, bei denen auch die Sängerinnen Veronika Fischer, und Uschi Brüning sowie der Sänger Klaus  Nowodworski mitwirken. 1974 wechselt er zur Hansi Biebl Blues Band, mit der er 1975 die LP Savannah aufnimmt. Er gehört nun mit zur Elite der ostdeutschen Rock-, Jazz- und Fusionszene, er spielt mit Größen wie Ernst-Ludwig Petrowski, Conny Bauer und Ulli Gumpert – sein musikalischer Stern strahlt hell, sein Weg scheint klar vorgezeichnet... 
Doch Eberhard Klunker will etwas anderes für sein Leben. Anfang September 1975 unternimmt er mit seinem Freund, dem Schlagzeuger und Gitarristen Olaf Wegener, der ebenfalls zur Hansi Biebl Blues Band gehörte, eine spektakuläre Flucht aus der DDR. Beide rudern mit einem Schlauchboot bei Einbruch der Dunkelheit in sechszehn Stunden von der Insel Poel bis zur Lübecker Bucht, wo sie am folgenden Tag in der Nähe von Dahme wieder an Land gehen. Der damals erst 23-Jährige beginnt sein Leben und seine musikalische Karriere noch einmal neu, in West-Berlin, das ihm seit dem zur Heimat geworden ist. 
Hier gründet er mit anderen Ex-DDR-Musikern Windminister. Er nimmt u.a. in den RIAS-Studios auf (auch mit Klaus Renft, Christiane Ufholz, Klaus Lenz, Pete Wyoming Bender) und trifft später Bluesgrößen wie Chris Farlowe und Alexis Corner. Zu seinen musikalischen Wurzeln kehrt er 2010 zurück, als er mit seiner langjährigen Mitstreiterin Christiane Ufholz das Album Live 2010 aufnimmt, das für den „Deutschen Schallplattenpreis“ nominiert wird.

In West Berlin findet Eberhard Klunker, der sich im Laufe seiner musikalischen Entwicklung ganz der akustischen Gitarre zugewandt hat, auch die Herausforderung und Anregungen zu seinem neuesten Solo-Album Lietzensee

„Auf der Suche nach einem gut klingenden Raum für Aufnahmen fand ich 2013 die Kirche Am Lietzensee. Mein Ziel war es, den Gitarrensound sehr natürlich aufzunehmen. Zwei Mikrofone nehmen den direkten Gitarrensound und in Abstimmung dazu den Raumkang auf.“ , so Klunker zu dieser Produktion, und weiter „In meiner Musik hat die Improvisation einen sehr großen Stellenwert. Einige Stücke sind ohne jegliche Vorgabe vollständig improvisiert. Andere wiederum entwickeln ihre Form um ein Thema herum aus der spontanen Situation heraus. Jedes Stück ist unwiederholbar in seiner Gestaltung.“

Fragt man Eberhard Klunker nach der Intention und dem musikalischen Background der Kompositionen auf Lietzensee, wird sehr schnell klar, dass hier eines das andere bedingt. Dass die einzelnen Stücke auseinander hervorgehen und, so sehr ein jedes auch als Solitär für sich bestehen kann, sie alle feinnervig miteinander verbunden sind.
Mit Solo-Gitarre und nur sparsam punktuell eingesetztem Scat-Gesang zeichnet er wahre Klanglandschaften, die sich als hörbare Essenz von filigranen Tongespinsten bis hin zu percussiven up-tempo Nummern dreidimensional entwickeln. Im ersten Stück bindet er das Sechsuhrläuten der Kirche am Lietzensee mit ein. Gibt diesem Glockenläuten am Klanghorizont gar die Hauptrolle, in dem er dazu frei improvisiert und seine Gitarre durch die Luft schwingt um den Effekt zu verstärken. Ein schöneres „akustisches Portrait“ eines Aufnahmeortes kann es nicht geben!

Zu seinem 2. Soloalbum "sixteen" sagt Eberhard Klunker:

"Die Musik auf diesem Album ist zum großen Teil ein Resultat von Improvisation. Eine Aufnahme beginnt normalerweise mit einem musikalischen Thema, einer Tonart oder einem Tempo, das ich  im Sinn habe. Nach einer Weile entwickelt sich die Musik dann frei in eine neue und unbekannte Richtung. Manchmal ist überhaut nichts geplant. Zum Beispiel "Minor Third Waltz" entstand ohne jegliche Vorausplanung. Für mich ist diese Art von Freiheit ein großer Vorteil des solistischen Spiels.

So wichtig wie die Spontanität der Darbietung ist auch die Halligkeit des Raumes. Aus diesem Grund verwende  ich keinen künstlichen Halleffekt oder andere Klangbearbeitung. Bei "Improvisation on Bootsmann" laufe ich während des Spielens mit dem Instrument durch den Raum. Das Resultat ist ein Klangeindruck den man eher mit elektronischer Musik verbindet. Die Klangcharakteristik des Aufnahmeraumes ist ein integraler Teil dieses Albums.

Ein Hauptanliegen dieser Aufnahmen ist es, einen völlig natürlichen akustischen Gitarrensound zu präsentieren"

                           (Mons Records)


Die Flucht über die Ostsee:

So berichtete die BILD Zeitung 1975: 

Teil 1  

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

 

 

 

 

 

 






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